Chronik / Geschichte der Lutherkirche, Pfarrhaus und Gemeindehaus

Lutherkirche Griesheim um 1930

Zur Baugeschichte der Lutherkirche:

In einer Kaiserurkunde von Friedrich Barbarossa vom 14.6.1165 wurden das Dorf Griesheim und seine Kirche genannt. Als 997 die Reliquien des Bartholomäus nach Rom überführt worden waren, erlebte der Kult um diesen Heiligen eine große Blüte. Man weihte ihm viele neue Kirchen. Da seit altersher auch der Kirchweihtermin in Griesheim auf den Bartholomäustag, den 24. August,
Bauelement um 1165 von der Lutherkirche

Gewölbeschlußsteine um 1530 an der Lutherkirche
fällt, ist anzunehmen, dass diese erstmals erwähnte Kirche um das Jahr 1000 gebaut worden war.

In der Sakristei befindet sich bis heute ein als Halbrelief in Sandstein gehauener Kopf, der von Kunsthistorikern als romanisch bezeichnet wurde und ein Bauelement aus der 1165 genannten Kirche sein dürfte.

Ein gotischer Kirchenbau folgte 1507. Das Baujahr findet sich auf dem heute rechts vom Eingangsportal eingemauerten Gewölbeschlußstein, der außerdem in der Umschrift den Frühmesser Konrad Knopp (Knapp) benennt und sein Wappen trägt. Das Wappen auf dem Gewölbeschlußstein links der Tür ist der damals in Groß-Gerau ansässigen Familie Dreyeich zuzuordnen. Die gotische Kirche von 1507 enthielt außer dem Altar des Heiligen Kreuzes >>>>>zwei Seitenaltäre, die im Gefolge der Reformation abgeschafft worden sind.

Schon 1601 hatte eine landgräfliche Kommission die Kirche als baufällig bezeichnet, und abbröckelnder Putz war auf die Gläubigen gefallen. Doch erlaubte der bald beginnende 30-jährige Krieg keinen Neubau mehr.

Inschrift am Eingangstor der Lutherkirche
Vaterunserglocke
Kirchenglocken
Lutherkirche Altarraum um 1930

Unter großen finanziellen Opfern wurde 1681 die heutige Lutherkirche durch die bürgerliche Gemeinde in ihren wesentlichen Teilen errichtet. Zum Bau-umfang gehörten die Vergrößerung des Kirchenraumes durch „Hinaussetzung der Mauern“ sowie der Neubau des Turms. Der gotische Chorraum, für den die Kirchenkasse allein zuständig war, blieb zunächst erhalten. Wohl aus Kostengründen hat man beim Neubau die Fenster- und Türgewänder aus deralten, gotischen Kirche wiederverwendet. Für diesen Kirchenneubau mußten Kredite aufgenommen und Spenden weithin im Land, bis in die Niederlande, gesammelt werden.

Die gotische Kanzel verkaufte man nach Weiterstadt, wo sie noch heute in der Kirche zu sehen ist. 1685 erstand man von der Stadt-kirche Darmstadt eine Orgel, die im Jahre 1600 durch Johann Grorock gebaut worden war und nach einer Überholung Im Jahr 1835 noch bis 1956 ihren Dienst tat.

Die große „ Vater-unser-Glocke “ der Lutherkirche stammt aus dem Jahr 1481. Sie mußte 1703 wegen eines Sprunges umgegossen werden. Die zweitgrößte Glocke, die „ Patenglocke “ , kam aus der Kirche in Degow bei Kolberg und wurde 1618 gegossen. Nach einer „ Odyssee “ als Rohstoff im 2. Weltkrieg fand man sie 1955 glücklicherweise in Hamburg wieder. Sammelaktionen der Konfirmanden- jahrgänge 1958 - 1963 brachten die Mittel für zwei weitere Glocken, die 1963 eingeläutet werden konnten: die Konfirmanden-Glocke und die kleinere Gedächtnisglocke. Das Gesamtgeläute klingt in den Tönen As, B, C und Es.

Orgel in der Lutherkirche
Orgel in der Lutherkirche
Der 1681 erhalten gebliebene Chorraum aus der gotischen Kirche von 1507 mußte 1749 abgebrochen werden. Man verlän- gerte den Kirchenraum in voller Breite nach Osten, so dass eine Saalkirche mit 3/8 Schluß entstand und die Lutherkirche ihr heutiges Erscheinungsbild erhielt. Auch die Längsempore an der Nordwand und die Orgelempore im Ostchor erfuhren dabei eine Erweiterung. 1835 Von einer umfassenden Kirchenrenovierung mit einer Erweiterung der Orgel von 8 auf 24 Register wird im Jahr 1835 berichtet.

Laufwerk der Turmuhr in der Lutherkirche Beim Kirchenumbau 1928 beseitigte man die Längsemporen an der Nord- wand, und die an die Südwand versetzte Kanzel bildete fortan mit Altar und Orgel ein Dreigestirn. Die Sakristei fand unter der Orgel im Ostchor ihren Platz. Ein neues Gestühl wurde beschafft. Griesheimer Bürger stifteten bunte Glasfenster, einen neuen Altar mit Altarbehang, ein Taufbecken und den Kanzelbehang. Um 1930 Die Absenkung des Grundwassers hatte den Eichenrost, auf dem die Kirche stand, vermodern lassen. Zur Sicherung des Turmes und von Teilen des Kirchenschiffes mußten Unterfangungs- arbeiten durchgeführt werden. 1945 Bombenangriffe und Kampfhandlungen hatten zu Schäden am Dach und an der Decke sowie zum Verlust der Buntglasfenster geführt. Lange Zeit konnte in der Lutherkirche kein Gottesdienst gehalten werden.

1956 Bei einer grundlegenden Umgestaltung beseitigte man alle historischen Einbauten im Chorraum. Lutherkirche Altarraum um 1930 Das barocke Chorbogenkreuz rückte von der Nord-wand als Blickfang an die Ostseite über den Altar. Die Kanzel wechselte ihren Platz von der Süd- auf die Nordseite. Eine neue Orgel fand auf der Empore im Turm Aufstellung. 1982 Im Zuge einer geschmackvollen Innenrenovierung der Hallenkirche wurden auch die Heizungsanlage modernisiert, ein neuer Steinfußboden verlegt sowie ein neues Kirchengestühl beschafft. Die Außenrenovierung folgte 1983.   (Karl Knapp)

Familiengruft des Landgrafen von Hessen  18 Jh. Unmittelbar bei der Kirche steht die Familiengruft des Prinzen Friedrich, Landgraf von Hessen, der das bürgerliche Mädchen Karoline Seitz 1788 in Griesheim geheiratet und dann einige Jahre im Forsthaus Darmstädter Straße 4 gewohnt hatte. In der Gruft ist auch ihr einziger Sohn, der in Griesheim geborene Freiherr Ferdinand August von Friedrich, beigesetzt.   Die Inschrift auf dem Mausoleum lautet: Denkmal zärtlichster Liebe und innigster Freundschaft für meinen Gatten, den Prinzen Friedrich August, Landgrafen von Hessen. Karoline von Friedrich geb.Seitz   Die zwei hessischen Löwen sind Detail der Sandsteinskulpturen. Ein Löwe schaut in Richtung der Darmstädter Straße der andere in Richtung Groß-Gerau dem Geburtsort von Karoline Seitz.

Die Lutherkirche in der heutigen Zeit

Lutherkirche innen 1 Lutherkirche  innen  2 Wandbild in der Lutherkirche Kanzel der Lutherkirche Lutherkirche Bild 3 Altar der Lutherkirche Kreuz der Lutherkirche

Am Altar und an der Kanzel sieht man die neuen Paramente, die der verabschiedete Kirchen- vorstand 2004 erworben hat.
Die beiden unteren Bilder zeigen das 1630 erbaute Pfarrhaus, daß das Pfarrbüro von Heidi Ritter und das Pfarramt von Pfarrer Alexander Becker sowie die Pfarrhauswohnung beherbergt. Das bereits 1565 erbaute Pfarrhaus mußte damals wegen erheblicher Baumängel abgerissen werden.  

Pfarrhau der Luthergemeinde Pfarrhau der Luthergemeinde

1978 erbaute Gemeindehaus. Hier treffen sich die verschiedenen Gruppen und Chöre. In der unteren Etage (Jugendkeller) treffen sich die Kinder - und Jugendgruppen. Das Büro von Gemeindepädagoge Reiner Wölm befindet sich ebenfalls im Gemeindehaus.

Pfarrhau der Luthergemeinde Gemeindehaus der Luthergemeinde Gemeindehaus der Luthergemeinde Gemeindehaus der Luthergemeinde
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